Zwei Frauen halten Hände, tragen Jeans und weiße Shirts, stehen vor weißen Blumen

Die 10 besten Marken für nachhaltige Jeans: Umweltbewusst und modisch

· 8 Min

Wir alle lieben sie – und wir alle haben mindestens eine davon im Kleiderschrank: Die Jeans!

Seit ihrer Erfindung im 19. Jahrhundert ist die Jeans aus der Modewelt nicht mehr wegzudenken. Levi Strauss, ein deutscher Einwanderer in den USA, entwarf 1873 zusammen mit Jacob Davis die erste Jeans als strapazierfähige und bequeme Arbeitskleidung für Goldgräber im amerikanischen Westen. Seitdem hat sich die Jeans zu einem universellen Kleidungsstück entwickelt, das in fast jedem Kleiderschrank der Welt zu finden ist.

Trotz ihrer Beliebtheit kommen Jeans aber nicht ohne Probleme daher – und damit meinen wir nicht den eternal struggle die perfekte Jeans zu finden (obwohl wir den durchaus auch fühlen!). Uns geht es hier vielmehr um die Umweltauswirkungen: Die konventionelle Jeansproduktion verbraucht große Mengen an Wasser und Energie und setzt Chemikalien ein, die in die Umwelt gelangen können. Aber sollen wir jetzt komplett auf dieses Allround-Talent in unserem Kleiderschrank verzichten?

Neeein, keine Sorge!

Wir finden: Ein gesunder Umgang mit dem was wir haben, Fokus auf Second Hand Klamotten, und der Griff zu Brands, die ihre Produktionsverfahren offen legen und mit Fokus auf die Umwelt und faire Arbeitsbedingungen produzieren geht absolut klar und totaler Verzicht muss nicht sein!

Wir wollen dir in diesem Beitrag daher alle wichtigen Infos zur Jeansproduktion und deren Umweltauswirkungen geben, und dir 10 Jeans-Brands vorstellen, die an dieser Stelle anders arbeiten als der Branchendurchschnitt

Wie dieser Beitrag „nachhaltig“ verwendet: Wir nutzen den Begriff hier als gängige Sammelbezeichnung für Mode, bei der einzelne Aspekte anders gelöst sind als in der konventionellen Produktion – etwa zertifizierte Bio-Baumwolle, wassersparende Waschverfahren, der Verzicht auf bestimmte Chemikalien oder auditierte Arbeitsbedingungen. Er bedeutet nicht, dass ein Produkt insgesamt umweltfreundlich ist: Jede Jeans verbraucht Ressourcen. Worauf sich die Angabe bei einer Marke konkret bezieht, steht jeweils dabei.

Du hast es eilig? Kein Problem! Hier findest du das Wichtigste im Überblick:

  • Jeans sind ein beliebtes, universelles Kleidungsstück, aber ihre Herstellung ist ressourcenintensiv – und die Auswirkungen treffen vor allem die Produktionsländer.
  • Die kritischen Aspekte der konventionellen Jeansproduktion sind: Ein hoher Wasser- und Energieverbrauch, hohe Treibhausgasemissionen, und der Einsatz giftiger Chemikalien, die ins Abwasser und damit in die Natur geraten können.
  • Es gibt Jeans-Marken, die an einzelnen dieser Punkte ansetzen – über zertifizierte Bio-Baumwolle, wassersparende Waschverfahren oder den Verzicht auf bestimmte Chemikalien.
  • So geht nachhaltiger Jeans-Konsum: Trage deine Jeans möglichst lange und repariere sie so oft es geht. Kaputte Jeans kannst du Re- und Upcyclen und für „neue“ Jeans bevorzugt Second Hand oder von Brands mit Fokus auf eine umweltfreundlichere Produktion kaufen.

Die Umweltauswirkungen der konventionellen Jeansproduktion: Ressourcenverbrauch und giftige Chemikalien

Um zu verstehen, warum sich in der Denim-Branche gerade einiges bewegt, lohnt ein Blick auf die Zahlen. Wir beziehen uns hier auf die Ökobilanz, die Levi Strauss & Co. 2015 für das Modell 501 veröffentlicht hat – eine der wenigen vollständigen Lebenszyklusanalysen, die eine Marke offengelegt hat. Wichtig zum Einordnen: Diese Zahlen gelten für ein bestimmtes Modell über den gesamten Lebenszyklus, also von der Baumwolle bis zur Entsorgung, inklusive der Wäschen bei dir zu Hause.

Wasser: Rund 3.781 Liter über den gesamten Lebenszyklus. Der größte Teil davon entfällt auf den Baumwollanbau (68 Prozent), gefolgt von der Pflege durch Verbraucherinnen und Verbraucher (23 Prozent). Auf Produktion und Konfektion entfallen zusammen rund 350 Liter.

Du hast vielleicht schon von 7.000 oder 10.000 Litern pro Jeans gelesen. Diese Zahlen stammen meist aus NGO- und UN-Kampagnen und rechnen mit anderen Systemgrenzen – etwa mit Baumwolle aus besonders wasserarmen Anbauregionen. Beide Größenordnungen sind nicht falsch, sie messen nur Unterschiedliches. Deshalb sind Vergleiche zwischen Studien mit Vorsicht zu genießen.

Treibhausgase: Rund 33,4 Kilogramm CO2-Äquivalente über den gesamten Lebenszyklus – das entspricht etwa 110 Kilometern mit einem durchschnittlichen Pkw. Auf die Herstellung allein entfallen davon rund 20 Kilogramm, also etwa 60 Prozent. Der zweitgrößte Posten ist die Pflege durch Verbraucher mit 37 Prozent, verursacht durch Waschen und Trocknen.

Diese Aufteilung ist eigentlich die interessanteste Erkenntnis der ganzen Studie: Ein erheblicher Teil der Klimawirkung entsteht erst, nachdem die Jeans bei dir angekommen ist. Darauf hast du direkten Einfluss.

Chemikalien: Beim konventionellen Baumwollanbau werden Pestizide eingesetzt, die ins Grundwasser gelangen und Ökosysteme belasten können. In der Veredelung kommen je nach Verfahren Chlorbleiche und Farbstoffe zum Einsatz, bei bestimmten Färbeprozessen auch Schwermetalle wie Chrom, Kupfer und Zink. Wo Abwasser nicht ausreichend geklärt wird, gelangen diese Stoffe in Gewässer in der Umgebung der Fabriken.

Azofarbstoffe, die krebserregende Amine abspalten können, sind in der EU seit Langem verboten – für Textilien, die hier verkauft werden, gilt das unabhängig vom Produktionsland.

Ich hoffe wir konnten dir anhand dieser Zahlen und Fakten verdeutlichen, welche erheblichen negativen Umweltauswirkungen die Produktion einer Jeans verursachen kann, und wieso es wichtig ist, auf bessere Alternativen zu switchen.

Glücklicherweise gibt es immer mehr Brands – vor allem aus der Fair Fashion Branche – die sich zur Aufgabe gemacht haben, die Jeansproduktion an diesen Stellen zu optimieren.

Wir wollen dir im folgenden 10 Fair Fashion Brands vorstellen, die Jeans produzieren, um den Verbrauch von Umweltressourcen zu reduzieren und den Einsatz giftiger Chemikalien zu minimieren.

Let’s go!

10 Jeans-Marken, die anders produzieren

Disclaimer: Diese Liste ist redaktionell und nicht abschließend. Wir haben Marken aufgenommen, die ihre Materialien und Produktionsverfahren öffentlich dokumentieren und die wir selbst spannend finden – es ist keine Bewertung und kein Ranking.

Nachhaltigere Jeans werden zum Beispiel aus zertifizierter Bio-Materialien und mit ressourcenschonenden Herstellungsverfahren produziert. Wir finden außerdem wichtig, dass unter fairen Arbeitsbedingungen (zum Beispiel faire Bezahlung, Arbeitszeiten, etc.) produziert wird.

Siegel, auf die du achten kannst:

  • GOTS oder Fairtrade geben Orientierung zu Materialherkunft und Produktionsbedingungen
  • Der Grüne Knopf ist ein staatliches Siegel mit ähnlichem Fokus.
  • Die Fair Wear Foundation prüft die Arbeitsbedingungen beim Unternehmen und seiner Lieferkette (nicht am einzelnen Produkt).
  • OEKO-TEX STANDARD 100 prüft Textilien auf Schadstoffe nach festgelegten Grenzwerten.
  • PETA Approved kennzeichnet Mode ohne tierische Materialien.

Hier sind unsere 10 Lieblings-Brands, bei denen du solche Jeans finden kannst.

  1. Dawn Denim: Ein deutsches, female founded Label, 2015 von Ines Rust und Marian von Rappard in Köln gegründet. Das Team sitzt heute in Berlin und lässt alle Teile in der eigenen Fabrik in Saigon fertigen – eigene Produktion statt Auftragsfertigung ist in der Branche eine Seltenheit. Dawn ist Mitglied der Fair Wear Foundation. Seit 2019 sind die Jeans PETA-Approved-Vegan zertifiziert; statt des klassischen Lederpatches wird FSC-Papier verwendet. Als Materialien kommen Bio-Baumwolle, Hanf und Lyocell-Fasern zum Einsatz. In der Veredelung arbeitet Dawn mit Laser-, Ozon- und E-Flow-Verfahren, die den Wasser- und Chemikalieneinsatz in diesem Prozessschritt deutlich reduzieren. Und unserer Meinung nach sehen die Jeans auch noch super aus – ob Skinny, Wide Leg, Baggy oder klassischer Boot Cut, hier ist für jeden Geschmack ein Schnitt dabei Finde hier eine Auswahl an Dawn Denim Jeans.*
  2. Nudie Jeans: Gegründet im Jahr 2001 in Schweden, setzen sie auf Jeans aus Bio-Baumwolle. Besonders cool: Nudie Jeans bieten einen kostenlosen Reparaturservice, damit du deine Lieblingsjeans noch länger tragen kannst. Finde hier eine Auswahl von Nudie Jeans.*
  3. Kuyichi: Die niederländische Marke wurde im Jahr 2000 gegründet und war nach eigenen Angaben die erste Denim-Marke, die Jeans aus 100 Prozent Bio-Baumwolle in ihre Kollektionen aufgenommen hat. Finde hier eine Auswahl an Jeans von Kuyichi.*
  4. Armedangels: Die deutsche Marke, 2007 gegründet, ist eine der bekanntesten Adressen der Fair-Fashion-Szene. Die Denim-Kollektion basiert auf Bio-Baumwolle; Armedangels ist Mitglied der Fair Wear Foundation. Hier geht’s zu Detox Denim Jeans von Armedangels.*
  5. Bleed: Seit 2008 produziert das deutsche Label vegane Jeans. Die Detox-Denim-Linie wird nach Angaben der Marke unter Verzicht auf bestimmte Chemikalien gefertigt. Hier findest du coole Jeans von Bleed.*
  6. THOKKTHOKK: Die Münchner Marke, gegründet 2012, arbeitet mit zertifizierten Materialien und legt Wert auf Transparenz bei den Produktionsbedingungen. Finde hier eine Auswahl an Jeans von THOKKTHOKK.*
  7. LOVJOI: Diese deutsche Marke, 2014 gegründet, produziert neben Dessous und Bademode auch Jeans aus Bio-Baumwolle. Hier geht’s zu nachhaltigen Jeans von Lovjoi.*
  8. Kings of Indigo: Die niederländische Marke, 2010 gegründet, verbindet Denim mit japanischem Design-Einfluss und setzt auf Detox-Denim-Verfahren. Hier findest du Jeans von K.O.I.*
  9. MUD Jeans: Seit 2012 kannst du bei dieser innovativen niederländischen Marke Jeans kaufen und – aufgepasst – MIETEN! Wie cool ist das bitte?  MUD arbeitet nach einem Kreislaufmodell: Alte Jeans werden zurückgenommen und die Fasern in neue Modelle eingearbeitet. Überzeugt? Dann findest du hier Jeans von MUD Jeans.*
  10. Hessnatur: Die älteste deutsche Marke in unserer Auswahl, gegründet 1976, bietet neben Kleidern, Pullovern und Unterwäsche auch Denim. Hessnatur hat es in den letzten Jahren geschafft, modisch mitzugehen, und hat wirklich schöne, zeitlose Jeans-Modelle im Sortiment. Gearbeitet wird mit zertifizierten Naturfasern; das Unternehmen ist Mitglied der Fair Wear Foundation. Hier findest du Jeans von Hessnatur.*

Noch mehr Jeans von kuratierten Brands mit Fokus auf Umwelt und faire Produktionsbedingungen findest du im fairlis market:

Aus unserem Marktplatz

Nachhaltig heißt hier: kuratierte Shops & Marken mit Fokus auf faire Herstellung, umweltschonendere oder vegane Materialien oder Langlebigkeit. Angaben laut Händler – von fairlis nicht geprüft  Unsere Kriterien →

So holst du das Meiste aus deiner Jeans

Wir hoffen, wir konnten dir ein paar Marken vorstellen, die du vielleicht noch nicht auf dem Schirm hattest.

Als Konsumentinnen und Konsumenten können wir zwar nicht alle Probleme der Modebranche lösen, aber wir beeinflussen durch unsere Nachfrage, worauf sich Unternehmen einstellen müssen.

Und der größte Hebel liegt tatsächlich bei dir: Die Ökobilanz von Levi’s zeigt, dass 37 Prozent der Klimawirkung einer Jeans erst durch Waschen und Trocknen entstehen. Denim muss selten gewaschen werden – lüften reicht oft, und wenn doch, dann kalt und ohne Trockner. Das verlängert nebenbei die Lebensdauer und hält die Farbe länger schön.

Ansonsten gilt: so lange wie möglich tragen, reparieren, re- und upcyclen statt wegwerfen. Und weil Jeans aus zertifizierten Materialien häufig ein größeres Investment sind, ist Second Hand oft die günstigere Variante – und die, bei der gar keine neue Produktion anfällt.

Ich bin neugierig: Welche Jeansmarken habt ihr schon getestet? Welche könnt ihr empfehlen (und welche eher nicht)? Erzählt mir von euren Erfahrungen gerne in den Kommentaren!



Über Caro

Caro ist Mitgründerin von fairlis und hauptverantwortlich für unseren Content. Mit 16 Jahren Erfahrung in der Internetbranche weiß sie genau, wie und wo man seriöse Quellen findet und Greenwashing von echter Nachhaltigkeit unterscheiden kann. Mittlerweile hat Caro ihren Instagram-Algorithmus so gut trainiert, dass ihr kein interessanter Nachhaltigkeitstrend (und kein lustiges Katzenvideo) mehr entgeht. Nach stundenlanger Recherche packt sie die interessantesten Themen, Tipps und Fakten für dich in ihre kompakten, aber wissensbepackten Artikel.



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