Fast Fashion – Wie die Modeindustrie unsere Umwelt und Gesundheit zerstört

Unsere Kleidung – sie definiert uns. Sie ist eine Art sich auszudrücken, abzuheben und kreativ zu werden. Dabei wollen wir individuell sein, aber trotzdem mit der Masse schwimmen. Auffallen, aber bitte nicht negativ.

Ständig begegnen uns die neuesten Modetrends – auf Werbeplakaten, im Fernsehen, auf Youtube oder in der Klatschzeitschrift. Dabei werden wir mit Angeboten und Gutscheinen gelockt – oder es steht schon wieder der nächste Sale an.

Bei ca. 24 Kollektionen im Jahr sehen wir ständig neue, interessante „It-Pieces“, die wir gerne unser Eigen nennen würden. Trends wechseln schnell und wir wollen ja modisch am Ball bleiben. Da können wir es uns nicht leisten, teure Teile zu kaufen. Möglichst billig muss es sein. Qualität ist nicht wichtig, da wir es eh nur kurz tragen wollen.

In der heutigen Zeit ist aus dem Motto „Kleider machen Leute“ für Modefirmen eine neue Strategie entstanden. Möglichst viel Kleidung in möglichst kurzen Abständen an möglichst viele Menschen verkaufen. Und sie haben damit Erfolg.

So entstand in den letzten Jahrzehnten der Begriff „Fast Fashion“. Er steht für billige und schnell produzierte Massenmode. Wir erklären dir, welche negativen Auswirkungen Fast Fashion für die Umwelt, unsere Gesundheit und die Arbeiter in der Textilindustrie haben. Beginnen wir mit ein paar wirklich interessanten Statistiken zu unserem Kleiderkonsum in Deutschland…

Der deutsche Kleiderschrank

Kleiderschrank mit Kleidung
Ein typischer Kleiderschrank voller Kleidung.

Die folgenden Zahlen stammen aus der Greenpeace-Umfrage „Wegwerfware Kleidung“ aus dem Jahr 2015, die 1.011 Personen zwischen 18 und 69 Jahren zu ihrem Kleiderkonsum befragt hat.

Laut den Umfrageergebnissen besitzt jeder deutsche Erwachsene im Schnitt 95 Kleidungsstücke. Und das ohne Unterwäsche und Socken. Das macht ca. 5,2 Milliarden Kleidungsstücke alleine in Deutschland. Um das ins Verhältnis zu setzten: Unsere Weltbevölkerung umfasst ca. 7 Milliarden Menschen.

Frauen besitzen mit durchschnittlich 118 Kleidungsstücken deutlich mehr Kleidungsstücke als Männer, die im Schnitt auf 73 Teile kommen.

Jedes 5. Kleidungsstück wird so gut wie nie getragen. Das macht in Summe ca. 1 Milliarde Kleidungsstücke, die ungetragen in deutschen Kleiderschränken verweilen. Weitere 1 Milliarde Kleidungsstücke werden seltener als alle drei Monate getragen. Das sind in Summe 2 Milliarden Kleidungsstücke, also knapp 40 %, die fast ungetragen rumliegen. Fast jeder Zweite sortiert Hosen, Oberteile und Schuhe innerhalb eines Jahres wieder aus. Nur 21 % der befragten Personen sortieren ihre Kleidung nur dann aus, wenn sie kaputt ist oder nicht mehr passt. 40 % sortieren aus, wenn die Kleidung nicht mehr dem eigenen Geschmack oder der Mode entsprechen.

Jeder Deutsche kauft im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Ein Kleidungsstück wird 4 bis 7 Mal getragen, bevor es entweder im Altkleidercontainer landet, oder einfach ungetragen im Schrank hängen bleibt.

Was bedeutet Fast Fashion?

Fast Fashion bedeutet übersetzt „schnelle Mode“, und dafür steht der Begriff auch. Fast Fashion bezeichnet die Unternehmensstrategie, deren Ziel es ist, neue Modekollektionen in hoher Frequenz in die Geschäfte zu bringen.

Fast Fashion-Unternehmen bringen nicht mehr nur eine Frühjahr-/Sommer- und eine Herbst-/Winter-Kollektion heraus, sondern bis zu 24 Unterkollektionen. Ihre Ware produzieren sie dabei möglichst billig, damit der Kunde auch günstig und häufig einkaufen kann, und sie trotzdem noch etwas daran verdienen. Dies geschieht dann auf Kosten der Qualität, Umwelt und Mitarbeiter der Fast Fashion Unternehmen.

Fast-Fashion steht also für billig produzierte Massenware, welche in ständig wechselnden Kollektionen in möglichst kurzen Intervallen an möglichst viele Menschen verkauft werden sollen.

Wie Fast Fashion unser Konsumverhalten geändert hat

Bestimmt kennst du das: Dir ist Abends auf der Couch langweilig, und du beginnst mal eben nebenbei diverse Online-Shops zu durchforsten. „Uh… eine neue Kollektion! Oh, und das wäre schön für den nächsten Sommerurlaub…“. Am Ende landen zwei bis 100 Teile in deinem Warenkorb, und werden mit wenigen Klicks gekauft. Nach deiner virtuellen Shopping-Tour bist du erst einmal zufrieden und du freust dich auf die neuen Klamotten.

Wenn die Sachen ankommen, gefällt dir auch das ein oder andere Teil. Vielleicht sitzt die Bluse nicht perfekt, aber sie hat so ein süßes Muster, und beim nächsten Meeting würde die echt souverän aussehen. Es werden also ein paar Teile behalten, der Rest wird retourniert. Du stopfst die Sachen in deinen vollen Kleiderschrank und vergisst sie nach dem ersten oder zweiten Mal Tragen direkt wieder. Oder dir gefällt die Qualität dann doch nicht so – macht ja nix, hat nicht so viel gekostet. Beim nächsten Stadtbummel findest du vielleicht etwas Passenderes. Außerdem hast du bei deiner letzten Bestellung ja auch noch einen Gutschein bekommen, für deinen nächsten Online-Einkauf. Vielleicht kannst du auch direkt mal reinschauen. Ach da schau her, es gibt ja wieder ein paar Neuheiten…! And another one bites the dust…

So oder so ähnlich ging es mir jahrelang. Ich habe im Monat gut 200-300 € für neue Kleidung ausgegeben. Ich bin dabei auf das schlaue Marketing und die ständigen Kauf-Motivationen reingefallen – wie vermutlich viele Menschen. Youtube „Hauls“ von diversen Influencern haben ebenfalls ihren Beitrag geleistet. Meine Lieblingsläden waren H&M, Zara, Vero Moda, und eine zeitlang sogar Primark (shame on me). Dabei bin ich mit diesem Kaufverhalten sowas von nicht alleine.

Die weltweite Textilproduktion hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. 2014 wurden erstmal mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke neu produziert. Da Fast Fashion sehr trendbasiert ist, wird auch immer mehr Kleidung schnell auch wieder weggeworfen. Alleine im Jahr 2014 wurde mit 4,3 Millionen Tonnen Altkleider gehandelt. Wie du deine Altkleider sozial und nachhaltig entsorgen kannst, kannst du in unserem Beitrag „Wohin mit Altkleidern? – 5 Tipps, wie du alte Kleidungsstücke richtig entsorgst“ nachlesen.

Welche großen Fast Fashion Unternehmen gibt es?

Schaufensterpuppen und Kleiderständer mit Fast Fashion
Modegeschäfte locken mit bis zu 24 Kollektionen pro Jahr.

Inditex

Inditex – kurz für Industria de Diseño Textil – ist ein multinationaler spanischer Textilkonzern. Zu den bekanntesten Marken gehören Zara, Bershka, Massimo Dutti und Pull and Bear. Im Jahr 2017 setzte Inditex 25,34 Milliarden Euro um und ist damit der größte Textilkonzern weltweit.

H&M

Der 1947 gegründete schwedische Moderiese fing zunächst als kleines Geschäft im schwedischen Västerås an. Doch das Unternehmen entwickelte sich in den letzten 72 Jahren zu einem millionschweren Modeimperium. Weltweit gibt es über 3000 Filialen. Alleine 2017 setzte H&M 23,33 Milliarden Euro weltweit um. Inditex aus Spanien und H&M aus Schweden sind damit die beiden größten Fast Fashion-Konzerne weltweit.

Primark

Primark ist ein sogenannter Textil-Discounter aus Irland. In den letzten Jahren ist Primark immer weiter expandiert und nun auch in Deutschland immer beliebter geworden. Primark bietet vor allem Mode im unteren Preissegment für eine jüngere Zielgruppe an und hat damit 2018 europaweit rund 7,5 Milliarden Pfund umgesetzt.

Asos

Asos ist ein Online-Shop mit vielen Eigenmarken, der aber auch Kleidungsstücke anderer Fast Fashion Marken führt. In den Jahren 2012 bis 2017 ist der Gesamtumsatz des Modekonzerns Asos um rund 150 Prozent gestiegen.

Weitere bekannte Fast Fashion Unternehmen

Die Liste der Fast Fashion Unternehmen ist groß. Alle hier aufzulisten, würde den Rahmen sprengen. Ein paar weitere bekannte Fast Fashion Riesen sind: Mango, Vero Moda, Jack & Jones, Esprit, s.Oliver, etc.

Woran du Fast Fashion erkennst

Eigentlich alle bekannten und beliebten Modelabels mit günstiger Mode für junge Menschen, die du in den Einkaufszentren siehst, sind Fast Fashion Unternehmen.

Als grobe Richtlinie kannst du dir merken: Wechselt ein Modeunternehmen ständig seine Kollektion (bis zu 24 Kollektionen jährlich) und kannst du keine Informationen über die Herstellung der Produkte finden, sind die Kleidungsstücke sehr günstig und haben keine Fair Fashion-Siegel, dann kannst du davon ausgehen, dass es sich um ein Fast Fashion Unternehmen handelt.

Negative Auswirkungen von Fast Fashion auf Mitarbeiter, Umwelt und Gesundheit

Auswirkungen von Fast Fashion auf die Mitarbeiter

Billiglöhne

Unternehmen die derart günstige Ware verkaufen, müssen logischerweise an anderer Stelle sparen. Aus diesem Grund werden die Kleidungsstücke der Fast Fashion Unternehmen häufig im Ausland produziert. In der Regel im asiatischen Raum, z.B. in Bangladesch und Kambodscha. H&M-Ware wird z.B. zu 60 Prozent in Asien produziert. Nur durch die Billigproduktion in asiatischen Ausland, können die Preise der Artikel so niedrig bleiben. Dabei sollte aber klar sein: Wenn du ein T-Shirt für 2 € kaufst, wie es bei Primark häufig der Fall ist, dann musste jemand anderes den höheren Preis dafür bezahlen. In den Billiglohnländern werden die Näherinnen und Näher so schlecht bezahlt, dass sie kaum einen halbwegs normalen Lebensstandard halten können.
Bei einer 14 Stunden Tagesschicht erhält eine Näherin in Bangladesch ca. 90 € im Monat. Der nationale Mindestlohn liegt bei 61 € monatlich. Damit können in der Regel Nahrung und Miete bezahlt werden, nicht aber zusätzlicher „Luxus“ wie eine Krankenversicherung oder Konsumgüter. Schätzungsweise arbeiten auf diese Weise 3,5 Millionen Menschen in Bangladesch. Insgesamt arbeiten ca. 75 Millionen Menschen in der Herstellung von Textilien, ca. 80% davon sind Frauen zwischen 18 und 35 Jahren.

Damit eine Familie überleben kann, müssen aber häufig auch die Kinder arbeiten gehen. Auch, wenn Fast Fashion Konzerne das abstreiten, durch mangelnde Kontrollen kannst du davon ausgehen, dass auch Kinder für die Produktion deiner Kleidung gearbeitet haben.

Schlechte Arbeitsbedingungen in den Fabriken

Da es in den Billiglohnländern keine arbeitsrechtlichen Standards gibt sind die Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Näher häufig menschenunwürdig. Die Textilfabriken sind baufällig. Es wird kein Geld zur Sicherung oder Erneuerung der Gebäude aufgebracht.

Diese führte am 24. April 2013 dazu, dass die Textilfabrik „Rana Plaza“ in Bangladesch zusammenbrach und 1.138 Menschen starben. Weitere 2.500 Menschen wurden bei dem Unglück verletzt.

Seitdem haben sich die Arbeitsbedingungen zwar deutlich verbessert, dennoch können sie noch nicht als „fair“ bezeichnet werden. Internationale Gewerkschaften und Textilunternehmen unterschrieben das selbstverpflichtende Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz. Damit sollen Textilfabriken in Bangladesch zu sicheren Arbeitsplätzen werden. Durch das Abkommen wurden bereits in über 1600 Fabriken Sicherheits- und Brandschutzmängel beseitigt.

Trotzdem müssen auch die Arbeitszeiten, Arbeitsplatzbedingungen und vor allem die erwähnten Billiglöhne angepasst werden, damit wir wirklich von einer nachhaltigen Verbesserung sprechen können.

Auswirkungen von Fast Fashion auf die Umwelt

Die Produktion von Billigkleidung hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Arbeitskräfte, die die Kleidung herstellen, sondern auch auf die Umwelt. Mit dem wachsenden Textilkonsum in den Industrieländern wachsen die Umweltschäden in den Herstellerländern, was sich auf die Umwelt der ganzen Welt auswirkt.

Treibhausgase

Während der Textilherstellung entstehen mehrere Tonnen Treibhausgase, darunter CO2, welche Hauptverursacher für unsere Klimaerwärmung sind.

„Allein durch Herstellung, Warentransport und den Gebrauch – Waschen, Trocknen und Bügeln – von Kleidung werden jährlich mehr als 850 Millionen Tonnen CO2 – Emissionen verursacht.“ (Quelle: Greenpeace.de)

Aber nicht die Baumwollproduktion trägt hier die Hauptschuld. Am schlimmsten ist das mittlerweile sehr beliebte Polyester: Die CO2-Emissionen für Polyester sind hier fast dreimal so hoch, wie für Baumwolle. Das liegt auch daran, dass für die Produktion von Polyester nicht erneuerbares Erdöl verwendet wird.

Pestizide und Düngemittel

Die Prozessstufen der Textilherstellung, die besonders starke Umweltbelastungen hervorrufen, sind Anbau und Produktion der Rohfasern, sowie die Textilveredelung.

Bei der Produktion von Naturfasern (z.B. Baumwolle) werden literweise Pestizide und Düngemittel eingesetzt. Mehr dazu kannst du auch in unserem Beitrag „Nachhaltige Textilien – und welche es nicht sind“ nachlesen.

Bisher entfallen ca. 25 % des weltweiten Insektizid-, und circa 10 % des Pestizid-Marktes auf den Baumwollanbau. Pestizide und Insektizide sind Hauptverursacher für das weltweite Bienen– und Insektensterben. Außerdem werden durch Pestizide Böden versauert und Abwasser verschmutzt.

Wasserverschmutzung durch Chemikalien

Aber nicht nur der Anbau von Naturfasern, wie z.B. Baumwolle, haben große Auswirkungen auf die Umweltverschmutzung. Vor allem auch die Herstellung von Chemiefasern wie z.B. Polyester führt durch die eingesetzten Chemikalien dazu, dass Abwasser verschmutzt werden.

Polyester hat dafür gesorgt, dass das rasante Wachstum von Fast Fashion überhaupt möglich ist, denn die Faser ist günstiger und schneller herzustellen, als Baumwolle. Ca. 60 Prozent unserer Bekleidung enthält mittlerweile mindestens Teile von Polyester, oder ist komplett aus Kunstfasern.

Wurden im Jahr 2000 weltweit „nur“ 8,3 Millionen Tonnen Polyester für Kleidung hergestellt, so waren es im Jahr 2016 bereits 21,3 Millionen Tonnen.

Chemikalien zur Faserverarbeitung und Textilveredelung (z.B. Färbe- und Bleichmittel sowie Weichmacher) werden in den Produktionsländern häufig ungeklärt ins Abwasser geleitet. Das führt in China dazu, dass über zwei Drittel der Flüsse und Seen als verschmutzt klassifiziert sind und 320 Millionen Menschen keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser haben.

Wasserverbrauch

Der hohe Wasserverbrauch in der Textilindustrie ist hauptsächlich auf den Baumwollanbau zurückzuführen. Denn um Kleidung aus Baumwolle herzustellen, wird weltweit durchschnittlich 10.000 Liter Wasser pro Kilogramm Kleidung benötigt.

Alleine die Produktion einer Jeans mit einem Gewicht von ca. 800 g benötigt 8000 Liter Wasser. Davon gehen stolze 85 % allein an die Herstellung der Baumwolle. Die restlichen 15 % sind für die weiteren Produktionsschritte notwendig. 2000 Liter Wasser wird für die Produktion von einem T-Shirt verbraucht. Damit könntest du einen kleineren Swimmingpool befüllen, oder 20 Tage täglich Duschen, Wäsche waschen und Toilette spülen.

Auswirkungen von Fast Fashion auf die Gesundheit

Kleidung ist unsere zweite Haut, und liegt auch genau dort auf – auf der Haut. Die Haut ist unser größtes Organ und hoch aufnahmefähig. Stoffe, die mit unserer Haut in Berührung kommen, gelangen darüber sehr schnell in unser System.

Für die Produktion und Verarbeitung der Rohfasern, sowie die anschließende Färbung, Imprägnierung und Veredelung von Textilien, werden ca. 3500 krebserregende, hormonell wirksame oder anderweitig giftige Chemikalien eingesetzt. Darunter fallen Weichmacher, Farbstoffe, Pestizide etc.

Rückstände dieser Giftstoffe bleiben in den Textilien zurück. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass billig produzierte Textilien Schadstoffe ausdünsten. Um dir das selbst zu beweisen, musst du nur einmal in einen Primark laufen und den Geruch purer Chemie einatmen. Der typische Geruch neu gekaufter Fast Fashion Kleidungsstücke spricht auch für sich. „Ein T-Shirt wird inzwischen mit etwa genau so viel Chemie behandelt, wie es wiegt.“ (Quelle: Zentrum der Gesundheit)

Phtalate (Weichmacher) kommen in der Textilindustrie z.B. in Kunstleder, Gummi und gefärbten Textilien zum Einsatz. Sie stehen im Verdacht bei Säugetieren eine fortpflanzungsschädigende Wirkung zu haben und u.a. die Entwicklung der Hoden zu beeinträchtigen. Beim Mann sollen sie außerdem Übergewicht und Diabetes hervorrufen können. Zusätzlich erhöhen sie das Risiko für Fehlgeburten.

Auch Farbstoffe zur Färbung der Textilien sind gefährlich. Die sogenannten Azofarbstoffe sollen krebserregend sein. Nicht nur für den Arbeiter, sondern auch für den Träger.

In der Textilherstellung werden zusätzlich Flammschutzmittel verwendet. Bromiertes Flammschutzmittel (BFR) wird dazu benutzt, Textilien feuerbeständig zu machen. Laut EU-Recht sind aber bereits einige Flammschutzmittel verboten.

Zinnorganische Verbindungen wie Schädlingsbekämpfungs- und Antischimmelmitteln (z.B. Tributylzinn (TBT)), kommen in der Textilindustrie ebenfalls vor. Sie sollen z.B. Geruchsbildung bei Socken und Sportmode verhindern. Zinnorganische Verbindungen können das Immunsystem schwächen, die Fruchtbarkeit einschränken und das Nervensystem angreifen. Zum Glück sind zumindest in der EU Textilien, die mehr als 0,1 % zinnorganische Verbindungen enthalten, mittlerweile verboten. Im Ausland werden sie allerdings noch verwendet.

Auch Tenside werden in der Textilindustrie verwendet, um Textilien wasser- und schmutzabweisend zu machen. Studien haben bewiesen, dass Tenside in der Umwelt nicht abgebaut werden können und sich im Blut und im Organgewebe ansammeln. Sie gefährden die Leber, beeinträchtigen das Hormonsystem und sollen krebserregend sein.

Aldehyde werden verwendet, um Kleidung „knitterfrei“ zu machen. Zu den Aldehyden zählt z.B. Methanal, welche eine der wenigen Chemikalien ist, deren Verwendung auf dem Etikett gekennzeichnet werden muss, falls der Grenzwert von 0,15 % überschritten ist. Studien haben nachgewiesen, dass diese Chemikalie hoch krebserregend ist.

Das in der Textilindustrie verwendete Triclosan dient dazu, das Bakterien- und Pilzwachstum zu hemmen. Bei Frauen soll dieser Giftstoff zu Fruchtbarkeitsproblemen führen. Es zerstört außerdem die Mikroflora unserer Haut.

Des weitern kommen Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber in der Textilproduktion zum Einsatz. Sie werden in Farbstoffen und Pigmenten, sowie bei der Ausrüstung von Textilien verwendet. Chromverbindungen färben z.B. Wolle rot und garantieren Wasch- und Lichtechtheit. Cadmium wird in gelben sowie roten Farbpigmenten verwendet. Aufdrucke sind häufig bleibelastet, und Nickel wird in Gürtelschnallen oder Reißverschlüssen verwendet. Diese Stoffe können Allergien auslösen und sich mit der Zeit in unserem Körper anreichern. Dort führen sie dann zu irreversiblen gesundheitlichen Schäden. Sie können krebserregend sein, die Nieren oder das zentrale Nervensystem schädigen.

All diese Substanzen werden also während der Produktion von Textilien verwendet und haben Auswirkungen auf den Träger. Logischerweise haben sie aber auch gesundheitliche Auswirkungen auf die Menschen in den Fabriken, die mit diesen Chemikalien noch direkter in Kontakt geraten, als die Käufer des Endproduktes. Diese Menschen leiden an Asthma, Hautausschlägen, Allergien, Krebs und Unfruchtbarkeit.

Auch während der Anpflanzung von Baumwolle – einem Naturprodukt – werden die Arbeiterinnen und Arbeiter geschädigt. Sie müssen ohne ausreichenden Schutz Pestizide auf die Pflanzen sprühen. Aufgrund dessen sterben laut internationalen Arbeitsorganisationen jährlich bis zu 5 Millionen Menschen an Vergiftungen. Auch nach der Ernte wird die Baumwolle mit giftigen Stoffen weiterbehandelt – hier kommen Chloride als Bleichmittel und Weichmacher zum Einsatz.

Ein weiteres Problem ist die „Veredelung“ von Textilien. Nehmen wir wieder das Beispiel unserer Jeans: Für den sogenannten „Vintage Look“ werden Jeansstoffe mit feinem Quarzsand bestrahlt. Dieser feine Staub setzt sich, durch mangelnden Schutz, in den Lungen der Textilarbeiter fest und führt zur „Silikose„. Das ist eine schwere Krankheit, an der die Erkrankten langsam ersticken.

Nicht nur die Menschen in der Textilindustrie, und die Träger der Produkte müssen sich um gesundheitliche Schäden sorgen. Auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Ladengeschäften sind während ihrer Schicht den giftigen Ausdünstungen der Billigkleidung ausgeliefert. Hier treten häufig nach ein paar Stunden starke Kopfschmerzen auf.

Zudem gelangen die giftigen Substanzen in unser Grundwasser, in die Nahrung, und die Luft. Sie gefährden so die Gesundheit der Menschen, und die Umwelt.

Leider tun sich viele Hersteller schwer, unbedenklichen Ersatz für die bisher eingesetzten Stoffe zu finden. Um den Druck auf die Hersteller zu erhöhen, plant das Umweltbundesamt, giftige Chemikalien in der EU komplett zu verbieten. Auch die Umweltorganisation Greenpeace kämpft seit Jahren mit der Detox-Kampane (www.greenpeace.de/detox) für eine saubere Textilindustrie.

Die Gegenbewegung – Slow Fashion, Fair Fashion und nachhaltiger Kleiderkonsum

Spätestens seit der Einsturz des Rana Plazas durch die Medien ging, wurde vielen Menschen bewusst, unter welchen schrecklichen Bedingungen ihre Kleidung hergestellt wird. Trotzdem kaufen viele aufgrund des tollen Angebots und der günstigen Preise in Fast Fashion Unternehmen ein.

Glücklichweise hat sich in den letzten Jahren aber eine immer lauter werdende „Gegenbewegung“ entwickelt. Jährlich findet in der Woche nach dem 24. April die „Fashion Revolution Week“ statt, die Fast Fashion Unternehmen nach Transparenz und „who made my clothes“ fragt. So werden Fast Fashion Konzerne unter Druck gesetzt, Transparenz über ihre Produktionsprozesse zu schaffen und somit hoffentlich motiviert, etwas an den Umständen zu ändern.

Slow Fashion ist ebenfalls eine Gegenbewegung zu Fast Fashion. Slow Fashion steht für „langsame“, nachhaltige und bewusste Mode. Bei Slow Fashion geht es um einen Wandel zurück zu mehr Sozialverantwortung und Respekt für Mensch und Umwelt. Es wird auf Nachhaltigkeit und Bewusstsein im Produktionsprozess geachtet und hochwertige Kleidung in wenigen Kollektion angeboten. Zu Slow Fashion zählt nicht nur ökologische und bewusst hergestellte Mode, sondern auch Second Hand Bekleidung. Second Hand Kleidung gibt den Konsumentinnen und Konsumenten die Möglichkeit, den Produktlebenszyklus von Kleidungsstücken zu verlängern, sich modisch und individuell zu kleiden und dabei keine neuen Ressourcen zu verschwenden. Weitere gute Gründe für Second Hand findest du in unserem Beitrag „5 unschlagbare Gründe Second Hand einzukaufen„.

Fair Fashion ist in den letzten Jahren ebenfalls ein immer größeres Thema geworden. Dabei steht „fair“ hier für die faire Behandlung der Mitarbeiter im Produktionsprozess, aber auch für einen „fairen“ und ökologischen Umgang mit unseren Umweltressourcen. Fair Fashion lebt nach dem Prinzip der Slow Fashion und bringt nur wenige Kollektionen und wenige Kleidungsstücke im Jahr raus. Faire Mode ist zertifiziert mit entsprechenden Siegeln.

Ein nachhaltiger Kleiderkonsum kann ebenfalls als Gegenbewegung zu Fast Fashion gesehen werden. Möglichst selten neue Kleidung kaufen und wenn dann hochwertige oder Second Hand Kleidung. Kleidungsstücke lange tragen und kaputte Kleidungsstücke reparieren statt wegwerfen. Zwischendrin für besondere Anlässe Kleidung leihen, anstatt das teure Kleid nur einen Abend zu tragen und danach im Schrank verstauben zu lassen. Ein bewusster Kleiderkonsum – also eine Reduktion des Neukaufens und Pflege der eigenen Kleidungsstücke ist wohl das beste, was du für die Umwelt und deinen Geldbeutel tun kannst.

Fusselrasierer auf rosa Wollpulver
Ein „Fusselrasierer“ ist eine super Möglichkeit „Pillen“ an Wollpullovern zu entfernen. Danach sieht Wolle wieder wie neu aus.

Unser Fazit

Lange lange lange habe ich mich vom übermäßigen Modekonsum mitreißen lassen. Anfang 20 habe ich von meinem ersten verdienten Geld monatlich 200-300€ für Klamotten ausgegeben und dabei natürlich bei den Modeketten eingekauft, in denen auch meine Freundinnen unterwegs waren. Schließlich wollte ich endlich auch dazugehören und trendy unterwegs sein. Mein absoluter Lieblingsladen war H&M, zwischendurch habe ich aber auch bei Primark und Zara gekauft. Nach dem Einsturz des Rana Plaza habe ich angefangen über meinen Kleiderkonsum nachzudenken. Trotzdem hat es noch ein paar Jahre gedauert, bis ich es wirklich verstanden habe.

Ich wusste es ist nicht ok, wie die Kleidung produziert wird, aber bei mir hat noch der letzte Funken gefehlt, bis ich Fast Fashion wirklich aufgegeben habe. Ausschlaggebend für meinen finalen Sinneswandel war mein steigendes Bewusstsein für Umweltprobleme und die Doku „The true Cost“ auf Netflix. Diese Doku kann ich wirklich jedem ans Herz legen. Sie ist lebensverändernd.

Mittlerweile weiß ich nicht nur, dass ich lieber weniger Klamotten im Schrank habe, und dafür hochwertige und nachhaltige Teile. Ich weiß auch, was der wahre Preis hinter den Billig-Klamotten ist, und diesen Preis bin ich nicht mehr bereit zu zahlen.

Ich kaufe Kleidung mittlerweile nur, wenn ich sie wirklich brauche, und suche meine Kleidung dann zuerst Second Hand, bevor ich bei Fair Fashion Labels nachschaue.

Mittlerweile ist Fair Fashion auch nicht mehr „Öko“, sondern modern und frisch. Außerdem kaufst du hier schadstofffreie und hochqualitative Mode und unterstützt deine Mitmenschen und deinen Planeten.

Unsere liebsten Fair Fashion Labels findest du in unserem Fair Shopping-Bereich hier auf fairlis.de.

Ich hoffe dieser Beitrag hat dir gefallen und dich vielleicht dazu motiviert, deinen Kleiderkonsum zu überdenken und achtsamer mit deiner Kleidung umzugehen.

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Wie Fast Fashion unsere Umwelt und Gesundheit zerstört

Quellen

https://www.dw.com/de/bangladesch-vollzeit-n%C3%A4hen-f%C3%BCr-61-euro-im-monat/a-38545884

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/s01951_greenpeace_report_konsumkollaps_fast_fashion.pdf

https://www.welt.de/welt_print/wissen/article6839727/2000-Liter-Wasser-fuer-ein-T-Shirt.html

http://www.fastfashion-dieausstellung.de/de/oekologie

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/textilien-giftstoffe-ia.html

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20151123_greenpeace_modekonsum_flyer.pdf

https://www.umweltbundesamt.de/fast-fashion-die-schattenseiten-der-mode

https://www.greenpeace.de/kampagnen/detox

https://greenvibes.podigee.io/5-folge-4

Caro
Caro
Hej Du. schön, dass du hier bist! Ich bin Caro, 30 Jahre jung, aus Karlsruhe. Ich habe eine Leidenschaft für Nachhaltigkeit, Umweltschutz, vegane Ernährung, Tiere und Pflanzen. Ich stecke hinter den Beiträgen auf fairlis.de und möchte dir gerne helfen, viel Wissen, Tipps und Inspirationen rund um das Thema Nachhaltigkeit zu sammeln.

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