Kuh steht auf Weide vor Wald

Vegan – Für die Umwelt

Unser Planet steckt gerade nicht nur in einer Gesundheits- sondern auch immer noch in einer Klimakrise.

Obwohl Corona neben all den schlechten Dingen tatsächlich auch vorübergehende Vorteile für unser Klima gebracht hat: Zum Beispiel einen sinkenden CO2-Ausstoß um 17% im ersten Lockdown im Mai. Leider wird dieser Effekt sich nicht langfristig positiv auf unser Klima auswirken.

Durch diese kurzfristige Senkung der CO2-Emissionen verringert sich jedoch nicht die Konzentration der Treibhausgase in unserer Atmosphäre, die den Klimawandel begünstigen. Diese Menge an Klimagasen kann erst dann zurückgehen, wenn die Netto-Emissionen gegen Null tendieren, denn dann kann erst können Ökosysteme und Ozeane den CO2-Gehalt in der Atmosphäre reduzieren. So sagt es die UN-Wetterorganisation WMO in ihrem im November 2020 veröffentlichten „WMO Greenhouse Gas Bulletin„.

Sobald wir Menschen in unseren normalen Alltag dürfen, werden wir wieder häufiger mit dem Auto zur Arbeit fahren, mit dem Flugzeug verreisen, und es wird wieder mehr produziert und konsumiert.

Um die Klimakrise abzuwenden, und damit unser aller Lebensgrundlage zu beschützen, müssen wir also weiterhin konsequent handeln und Klima-Killer in unserem Alltag möglichst reduzieren.

Umweltorganisationen geben jede Menge Tipps und Tricks, was wir verbessern können:

  • Weniger Auto fahren
  • Seltener fliegen
  • Wasser und Energie sparen
  • Ökostrom verwenden
  • Plastikkonsum bzw. generell Konsum reduzieren
  • Mehr Bio kaufen, etc.

Alles richtig und wichtig. Der wohl größte Hebel den du „Pro-Klima“ bewegen kannst ist allerdings: Deine Ernährung.

Je nach Ernährungsform werden nämlich extrem viele, oder verhältnismäßig wenige Umweltressourcen verbraucht oder CO2-Emissionen ausgestoßen.

Neben den vielen Ernährungsformen, die es in unserer Gesellschaft gibt, ist eine vegane Ernährung – vor allem im Vergleich zu einer Ernährung mit tierischen Lebensmitteln – extrem ressourcensparend und somit – in unseren Augen – die beste Wahl für unsere Umwelt.

Jetzt kann ich dir so eine Aussage natürlich nicht um die Ohren hauen, ohne Fakten zu liefern. Also los geht’s.

Weniger Flächenbedarf

1812 lebten 1 Milliarde Menschen auf der Erde. 1912 1,5 Milliarden, 2020 waren es bereits 7,6 Milliarden. Dieser Explosion der Menschheit in nur 100 Jahren wird zurecht Aufmerksamkeit geschenkt, denn sie ist Mitverursacher für viele unserer Umweltproblematiken.

Laut Prognosen der UN wird unsere Weltbevölkerung im Jahr 2050 9,7 Milliarden und im Jahr 2100 10,9 Milliarden Menschen betragen.

Allerdings ist nicht zwingend die Anzahl der Menschen das Problem, sondern hauptsächlich die Anzahl der Nutztiere, die von Menschen gehalten werden, um Nahrungsmittel zu erhalten

Die die globale Fleischproduktion ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen: Noch vor 50 Jahren betrug sie nur ein Drittel der heutigen Menge. Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) geht davon aus, dass sie bis 2029 um weitere 40 Millionen Tonnen steigen wird. Angenommen es gibt vorher keine politische Umsteuerung, würde das einer Produktion von etwa 366 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr entsprechen. (Fleischatlas 2021)

Obwohl in einigen Ländern die Fleischproduktion zurückgeht, steigt sie in anderen Ländern, wie zum Beispiel China, immens an.

Boom Business Entwicjlung der Fleischproduktion in wichtigen Erzeugerländern und in der EU sowie in deren Mitgliedsstaaten, Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0
Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0

Doch wie verursacht der steigende Fleischkonsum einen steigenden Bedarf an Fläche?

Nun. Weltweit leben und sterben jährlich 150 Milliarden Tieren in Massentierhaltung. Zudem gibt es auch Weidetiere. Sie benötigen während der Mastphase vor allem drei Dinge: Platz, Futter und Wasser. Durch den steigenden Fleischkonsum steigt auch der Bedarf an Futtermitteln, wie Soja und Mais, die in ihrem Anbau noch viel mehr Platz und Wasser verbrauchen, als das Vieh selbst.

Doch auf unserer Erde ist nur begrenzt Platz und Wasser vorhanden. Es muss also zum einen Fläche geschaffen werden, wo eigentlich keine ist.

Soja ist eines der wichtigsten Proteinlieferanten im Viehfutter. Immer wieder wird argumentiert, dass Veganer durch ihren Tofu-Konsum Schuld sind am Abholzen der Regenwälder. Fakt ist das 90 % des weltweit angebauten Sojas als Futtermittel für die Fleischindustrie eingesetzt wird.

Feldfrüchte mit vielen Interessenten Wichtigste landwirtschaftliche Produkte nach Erträgen und Verwendungszwecken, Auswahl, Durchschnitt 2017–19, in Millionen Tonnen und Anteile in Prozent Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0
Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0

„Die größten Anbauländer für Soja sind Brasilien mit 133 Millionen Tonnen, die USA mit 117 und Argentinien mit 53 Millionen Tonnen. Fast 90 Prozent der weltweiten Sojaexporte stammten 2019 aus diesen drei Ländern. Brasilien ist mit 74 Millionen Tonnen der größte Exporteur.“ (Fleischatlas 2021, S.16)

In den USA wird zudem ein Anteil von 94 % an gentechnisch veränderten Sojabohnen angebaut. In Brasilien beträgt dieser Anteil 97 %.

Größter Soja-Importeur ist übrigens China, da es auch der größte Fleischproduzent und Konsument weltweit ist: „Im Jahr 2019 kaufte das Land mit 74 Millionen Tonnen knapp zwei Drittel aller Exporte, gefolgt von der EU mit 13 Millionen Tonnen.“ (Fleischatlas 2021, S.16)

Durch die steigende Nachfrage und weil die Steigerung der Produktivität auf bereits bestehenden Flächen schwierig wäre, wird für den Anbau von Soja und Mais als Futtermittel mehr Platz benötigt. Die Anbauflächen sind von 77 Millionen Hektar in 1999 auf 125 Millionen Hektar in 2019 gewachsen.

Um Anbauflächen zu schaffen müssen zumeist Wälder weichen. So ist die Viehzucht für ca. 91 Prozent der Zerstörung des Amazonas verantwortlich. Sekündlich werden 0,4 Hektar (4000m²) Regenwald abgeholzt, um dort Vieh zu weiden und Futterpflanzen zu pflanzen. Es wird geschätzt, dass dadurch jeden Tag fast 100 Pflanzen-, Tier- und Insektenarten aussterben. 

„Mittlerweile steht der Sojaanbau nach der Viehwirtschaft an zweiter Stelle der Verursacher von Abholzungen weltweit. Besonders in Brasilien und Argentinien werden Wald und Grasland in Sojafelder umgewandelt. […] Zwischen 2006 und 2017 wurden im Amazonas-Regenwald und der brasilianischen Savanne Cerrado, eines wegen seiner Biodiversität sehr wertvollen Trockenwaldes, 220.000 Quadratkilometer Wald abgeholzt. Das entspricht mehr als 60 Prozent der Fläche Deutschlands. Zumeist entstanden Viehweiden, doch zehn Prozent der gerodeten Fläche wurde einer Untersuchung der Initiative Trase zufolge direkt für den Sojaanbau verwendet.“ (Fleischatlas 2021, S.16)

Boom Business Entwicjlung der Fleischproduktion in wichtigen Erzeugerländern und in der EU sowie in deren Mitgliedsstaaten, Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0
Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0

Der Regenwald ist zwar tausende Kilometer von Deutschland entfernt, aber für unser Klima extrem wichtig. Denn unsere weltweiten Regenwälder sind die Lunge unseres Planeten. Bäume atmen Kohlendioxid ein, und Sauerstoff wieder aus. Je weniger Bäume, desto weniger CO2 wird von ihnen verarbeitet und daraus wichtiger Sauerstoff produziert. Gleichzeitig sinken die CO2-Emissionen nicht. Das kann den Klimawandel beschleunigen.

Weitere Gründe für Regenwaldabholzungen sind Kohleanbau, Mineralölabbau, Papier und Palmöl. Allerdings machen sie im Vergleich zur Viehhaltung einen viel geringeren Anteil aus.

Wie viel Fläche benötigt ein Veganer oder eine Veganerin für den Anbau von Lebensmitteln?

Für eine vegane Ernährung wird durch den Verzicht tierischer Lebensmittel kein Platz für Viehzucht und Futtermittelanbau benötigt.

Um einen Veganer ein Jahr lang zu ernähren wird eine Fläche von 675m² benötigt. Um einen Vegetarier zu ernähren wird bereits 3 Mal so viel Fläche benötigt. Um einen Durchschnitts-Amerikaner mit Fleisch, Milchprodukten und Eiern zu versorgen wird eine Fläche eine 18 Mal größere Fläche benötigt. Auf einem halben Hektar können nämlich 16.800 kg Gemüse geerntet, aber auf derselben Fläche nur 170 kg Fleisch produziert werden. (Cowspiracy, 2014)

Du siehst, eine vegane Ernährung verursacht weniger Flächenbedarf und gleichzeitig wird der Regenwald geschont. Aber das ist nicht der einzige Grund, wieso eine vegane Ernährung besser für die Umwelt ist.

Weniger Treibhausgase

„Der Anteil der Viehzucht an den globalen Treibhausgasemissionen wird oft unterschätzt, doch in der Klimarechnung hinterlassen die Nutztiere und ihr Futter deutliche Spuren.“ (Fleischatlas 2021, S.22)

Klimabilanzen im Vergleich - Treibhausgasemissionen bei der Produktion des Fleisches von drei Tierarten Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0
Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0

Stolze 70 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche (Weideland und Ackerfläche für den Futtermittelanbau) werden für die Viehzucht genutzt. Die Ausweitung dieser Fläche führt zu steigenden Emissionen und dem Verlust biologischer Vielfalt.

Wie viele CO2-Emissionen durch die Viehzucht verursacht werden ist nicht 100 % klar. Es gibt verschiedene Organisationen die sich um eine Berechnung bemühen.

Ende 2009 berichtete Worldwatch, dass Nutztierhaltung 51 % der Treibhausgasemissionen verursacht, der Transportsektor um die 13 %. Die niedrigsten Schätzungen der UN belaufen sich auf 18 % bis 30 % weltweit, was trotzdem noch mehr sind, als alle Transporte zusammengenommen. (Cowspiracy, 2014)

Eine andere Organisation die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) gibt an, dass im Jahr 2013 der Anteil der Viehzucht an den globalen Treibhausgasemissionen 14,5 % betrug. Dabei sollen 45 % aus der Produktion und Verarbeitung von Futtermitteln, und 39 % aus dem Verdauungstrakt von Wiederkäuern freigesetzt werden. Weitere 10 % schreiben sie der Lagerung und Verarbeitung von Dung zu. Zusammen würden diese Emissionen 56 bis 58 % der gesamten Treibhausgasemissionen des Nahrungsmittelsektors ausmachen. Und das obwohl die Viehwirtschaft nur 37 % des Proteins und 18 % der Kalorienversorgung der Weltbevölkerung bereitstellt. Dem Weltklimarat IPCC zufolge beträgt der Anteil des Ernährungssektors am globalen Treibhausgasausstoß zwischen 21 und 37 %. (Fleischatlas 2021, S.22)

Die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne sind JBS, Tyson, Cargill, Dairy Farmers of
America und Fonterra. Sie verursachen zusammengerechnet mehr Emissionen als ein einzelner großer Ölkonzern wie beispielsweise Shell. Die 20 führenden Unternehmen der Fleisch- und Milchindustrie verursachen mehr Treibhausgasemissionen als Deutschland, Großbritannien oder Frankreich im Alleingang. (Fleischatlas 2021, S.22f)

Schwergewichte erhitzen die Welt - Treibhausgasemissionen 20 führender Unternehmen der Fleisch- und Milchwirtschaft* im Vergleich mit Emissionen von Staaten und Ölkonzernen Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0
Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0

Aber woher kommen diese Treibhausgase bei der Nutztierhaltung?

Kühe und andere Nutztiere erzeugen während ihres Verdauungsprozesses bedeutende Mengen Methan. Aktuell sind das 568 Milliarden Liter Methan pro Tag. Dieses Methangas ist 68 Mal schädlicher als das CO2 von Fahrzeugen.

Die Viehwirtschaft erzeugt außerdem 65% des Gesamtausstoßes an Stickoxid. Ein Gas, dessen Wirkung auf die Erderwärmung 296 Mal größer ist, als die von CO2.

Selbst, wenn wir ab sofort nie wieder Gas, Öl oder Brennstoff verwenden würden, würden wir unseren maximal erlaubten Ausstoß an Treibhausgasen immer noch überschreiten. Und zwar um 565 Gigatonnen bis zum Jahr 2030. Und das nur durch das Aufziehen und Essen von Nutztieren.

Werden die Methanemissionen, also die Viehzucht, reduziert, sinkt das Niveau der Atmosphäre recht schnell, bereits in Jahrzehnten. Werden hingegen die Kohlendioxidemissionen (CO2) in der Atmosphäre reduziert, zeigt das erst in etwas 100 Jahren Wirkung.

Es ist also wesentlich wirkungsvoller und heilender für die Umwelt, die Viehzucht zu reduzieren. Das kann nur erreicht werden, indem die massive Nachfrage nach tierischen Produkten drastisch reduziert wird. (Cowspiracy, 2014)

Wie viel CO2 produzieren Veganer und Veganerinnen?

Durch den Verzicht tierischer Lebensmittel spart ein Veganer oder eine Veganerin also logischerweise eine Menge Treibhausgasemissionen ein. Aber wie viel genau?

Mit dieser Frage hat sich ein Ökologe der Oxford-Universität, Joseph Poore, beschäftigt und errechnet, wie viel Treibhausgas eine vegane Person in Deutschland jährlich potenziell einspart. Er ging dabei unter anderem davon aus, dass bei der Produktion von veganen Lebensmitteln weit weniger Fläche benötigt wird, und auf dieser Fläche dann Bäume und Pflanzen wachsen können, die CO2 binden.

Seinen Berechnungen nach produziert ein Mensch in Deutschland ca. 11 Tonnen Treibhausgase im Jahr. Ein vegan lebender Mensch in Deutschland spart stolze zwei Tonnen Treibhausgase ein. Davon sind 670 kg CO2. (Poore, 2018)

Laut dem Spiegel entsprechen diese zwei Tonnen Treibhausgase ca. 8 Economy-Class-Flügen zwischen Berlin und London. (Ayoub, 2020)

Weniger Wasserverbrauch

Nur ein winziger Anteil des Wassers auf unserer Erde ist Trinkwasser. Diese konkret nur 0,4 % zirkulieren ständig in diversen Wasserkreisläufen und versorgen sowohl uns Menschen, als auch Pflanzen und Tiere. Wir müssen mit diesen knappen aber lebenswichtigen Ressourcen daher gut umgehen.

Für die Produktion von Fleisch müssen größere Mengen Wasser eingesetzt werden, als für die Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel.

Tiere müssen trinken, Futterpflanzen müssen bewässert werden, und Stallungen gereinigt. Dadurch ist der durchschnittliche Wasserfußabdruck pro einer Kalorie Rindfleisch ist 20 Mal größer als bei einer Kalorie Getreide. Wobei der höchste Anteil des Wasserverbrauchs, 94 %, dem Anbau des Futtermittels zuzurechnen ist (Fleischatlas 2021)

Der Wasserverbrauch für die Erzeugung tierischer Lebensmittel liegt oftmals 100 bis 1000 Mal höher als bei pflanzlichen Lebensmitteln. (Cowspiracy, 2014)

Ein paar Beispiele: 1 kg Tomaten verbraucht zur Produktion 110 Liter Wasser. Ein Kilogramm Rindfleisch verbraucht rund 15.500 Liter Wasser. Die gleiche Menge an Schaf- oder Ziegenfleisch verbraucht ca. 9.000 Liter Wasser, 1 kg Schweinefleisch 6.000 Liter und 1 kg Huhn ca. 4.300 Liter Wasser. (Warenvergleich.de, 2018 und Fleischatlas 2021)

Wasserverbrauch je kg Lebensmittel Rind Schwein Schaf Huhn Banane Apfel Karotte Tomate
Quellen der Liter-Angaben: Warenvergleich.de, 2018 und Fleischatlas 2021 | Grafik selbst erstellt via canva)

Um das ganze ins Verhältnis zu setzen: Ein Deutscher verbraucht am Tag ca. 122 Liter Wasser um sich zu Duschen, Waschen, etc. Ein Deutscher kann also 127 Tage Duschen, oder 1 kg Rindfleisch verzehren. 

„Insgesamt entfallen 92 Prozent des globalen Wasserfußabdrucks auf die Landwirtschaft, 29 Prozent davon gehen in die Tierproduktion. Nach anderen Berechnungen nutzt die Landwirtschaft 70 Prozent des verfügbaren Süßwassers, dreimal mehr als vor 50 Jahren.“ (Fleischatlas 2021, S.26)

Regionen, in denen viel industrielle Viehzucht stattfindet, wie zum Beispiel in China, dem Nordosten der USA und Europa, werden große Mengen an Wasser verbraucht was sich am sinkenden Grundwasserspiegel, trockengelegten Flüssen und Seen bemerkbar macht. Durch sinkende Niederschlagszahlen in Teilen der USA kommt es dort zu langen Trockenperioden und Wasserknappheit, so zum Beispiel in Kalifonien.

Bei der Berechnung des Wasserverbrauchs wird übrigens zwischen grünem, blauem und grauem Wasser unterschieden:

  • Grünes Wasser: Regenwasser, das Pflanzen durch Niederschlag zur Verfügung steht
  • Blaues Wasser: Wasser für den Bewässerungsanbau
  • Graues Wasser: Das Volumen, das rein rechnerisch benötigt würde, um eingetragene Schadstoffe auf ein unschädliches Maß zu verdünnen, sodass es die Grenzwerte für die Wasserqualität eingehalten werden können.
Probleme in blau und grau - Wassereinsatz bei der Herstellung landwirtschaftlicher Produkte Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0
Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0

Wie viel Wasser sparen Veganerinnen und Veganer?

Alleine die obenstehenden Grafiken sollten verdeutlichen, dass bei einer rein pflanzlichen Ernährung Unmengen an Wasser eingespart werden können. Die Produktion der in einer veganen Ernährung dominierenden Nahrungsmittel (Hülsenfrüchte, Getreide, Gemüse, Früchte, etc.) verbraucht zwar weiterhin Wasser, aber einen Bruchteil dessen, was bei einer omnivoren Ernährung anfällt.

Weniger Wasserverschmutzung

Dünger, Insektenschutzmittel, Antibiotika, Tier-Exkremente. Sowohl auf den Futteranbauflächen, als auch in den Mastbetrieben wird das umliegende Grundwasser verschmutzt.

Ein Beispiel: Sekündlich werden in den USA etwa 52,6 Tonnen Exkremente von Nutztieren ausgeschieden. Das ergibt im Jahr genug Kot um jeden Quadratmeter von San Francisco, Tokyo, Dänemark, Bali, Berlin, New York City, Paris, New Delhi, Hong Kong, London, Rio de Janeiro, Delaware und Costa Rica damit zu bedecken. Die Nutztierhaltung an Land verursachte durch Stickstoffausschwemmungen mehr als 500 Todeszonen in unseren Weltmeeren. Das sind mehr als 246.000 km² im Meer, in denen es absolut kein Leben mehr gibt. Zusätzlich haben wir bereits 75% der Fischbestände in den Weltmeeren durch Fischerei zerstört. (Cowspiracy, 2014)

Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft steigt weltweit an. Waren es 1990 noch 4.000 Tonnen, so sind es heute weltweit bereits über 7.000 Tonnen. Das ist eine nahezu Verdopplung des Pestizideinsatzes.

Chemische Keulen Einsatz von Pestiziden, in 1.000 Tonnen Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0
Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0

Auch dieser Anstieg ist wieder auf die steigende Fleischnachfrage zurückzuführen – und zwar wiederum aufgrund des Futtermittelanbaus. Wir erinnern uns: Das beliebteste Futtermittel für die Viehzucht ist Soja. In Brasilien werden ca. 52 Prozent der Pestizide im Sojanbau eingesetzt.

Durch den vermehrten Einsatz von Pestiziden kommt es zu Resistenzen, was dazu führt das noch mehr und noch schädlichere Mittel zum Einsatz kommen. Von diesem Teufelskreis profitieren die Hersteller solcher Pestizide. Syngenta aus der Schweiz, Bayer und BASF aus Deutschland, und Corteva und FMC aus den USA sind die größten Hersteller von Pestiziden und kontrollieren 70 % des Pestizidmarktes. (Fleischatlas 2021)

Diese Unternehmen produzieren Pestizide, die in Europa bereits verboten sind, und vertreiben sie an Märte im Ausland wie Brasilien.

„Die europäische Kommission will die Produktion von EU-weit verbotenen Chemikalien, darunter hochgefährliche Pestizide, für den Export stoppen. Erste Erfolge: In Frankreich tritt ein solches Verbot 2022 in Kraft. Der Export aus der Schweiz wird ab 2021 verschärft und für fünf Pestizide verboten.“ (Fleischatlas 2021, S.25)

Wie kann eine vegane Ernährung Wasserverschmutzung vermeiden?

Mit einer pflanzlichen Ernährung kannst du den Einsatz von Pestiziden nicht komplett vermeiden. Dazu müsstest du zusätzlich komplett auf Bio-Lebensmittel umsteigen.

Durch eine vegane Ernährung trägst du allerdings nicht zu den oben erwähnten Abläufen bei. Das Angebot bestimmt wiederum die Nachfrage: Je mehr Menschen auf tierische Lebensmittel verzichten, oder deren Konsum stark reduzieren, desto weniger wird davon produziert, desto weniger Pestizide kommen zum Einsatz, desto weniger Wasser wird verschmutzt. You get the drill.

Weniger Hungersnot

Insgesamt leiden 821 Millionen Menschen weltweit an Hunger. Das ist jeder dritte Mensch. (DER SPIEGEL, 2019)

„Die UN definiert eine Hungersnot […] wie folgt: Mindestens 20 % der Bevölkerung hat Zugang zu weniger als 2100 Kilokalorien pro Tag. Mindestens 30 % der Kinder sind akut unterernährt. Mindestens zwei von 10.000 Menschen oder vier von 10.000 Kindern sterben täglich an Nahrungsmangel.“ (Wikipedia-Autoren, 2004).

Weltweit werden 50% des angebauten Getreides und der Hülsenfrüchte an Tiere verfüttert. In den USA sogar eher 70-80%. Bei Soja sind es etwa 90%.

Je nach tierischem Lebensmittel landen nur etwa 5-20 % der eingesetzten Futter-Kalorien im Endprodukt. Es werden zum Beispiel 15 kg Getreide benötigt um 1 kg Rindfleisch zu produzieren. 1 kg Getreide kann 10 Menschen satt machen. Die benötigten 15 kg Getreide für 1 kg Rindfleisch könnten also 150 Menschen als Mahlzeit dienen. Angenommen eine Portion Fleisch ist mit 200g angesetzt – so kann 1 kg Fleisch genau 5 Personen als Mahlzeit dienen. (Cowspiracy, 2014)

Die meisten Futtermittel werden auf Anbauflächen kultiviert, die für den Anbau von Lebensmitteln geeignet wären. Mehr als 90 Prozent des weltweit angebauten Sojas werden als Futtermittel genutzt.

82% aller hungernder Kinder leben in Ländern, in denen Nahrungsmittel an Vieh verfüttert wird, welches dann geschlachtet und von den wohlhabenderen Industrieländern wie den USA, Großbritannien und Europa gegessen wird. Wir könnten jeden einzelnen Menschen in der Welt angemessen ernähren, wenn wir die Nahrung, die an Tiere verfüttert wird, direkt in menschliche Nahrung verwandeln. Somit wären auch genmanipulierte Lebensmittel nicht mehr notwendig.

Auf jeder Art von Land kann im Durchschnitt 15 Mal mehr Protein auf Pflanzen- statt auf Fleischbasis produziert werden.

Als Veganer ernährst du dich direkt vom Gemüse, Getreide, etc. ohne den Umweg über das Tierprodukt zu wählen. Würden alle Menschen vegan leben, müsste eigentlich kein Mensch der Welt mehr Hunger leiden. So zumindest die Theorie.

Wenn wir weniger Fleisch, Milchprodukte und Eier essen würden, dann könnten aus den Feldern mit Monokulturen und gentechnisch verändertem Mais, Getreide und Sojabohnen, wieder Wälder und Lebensraum für Tiere geschaffen werden.

Wenn man Mais anbauen kann, um ihn an Tiere zu verfüttern, kann man ihn genauso gut einem Menschen anbieten.

Unser Fazit

Die nachhaltigste Ernährungsform für unseren Planeten ist unserer Meinung nach eine rein pflanzliche Ernährung.

Durch pflanzliche Fleisch- und Milchersatzprodukte, die mittlerweile so gut sind, dass sie dieselben – oder bessere – Nährwerte, denselben Geschmack und sogar dieselbe Textur wie Fleisch haben, musst du nicht einmal auf das „tierische Geschmackserlebnis“ verzichten, und leistest trotzdem einen riesen Beitrag für die Umwelt.

Viele Forscher und Umweltschützer, die sich mit dem Thema beschäftigen, sagen: „Du kannst kein Umweltschützer sein, und weiterhin Tierprodukte essen.“ – jeder kann seine Sucht befriedigen, darf sich dann aber nicht Umweltschützer nennen. Das klingt im ersten Momenten ziemlich hart – und ich habe lange überlegt, ob ich dieses Statement hier wirklich anbringen möchte. Ich habe mich letztlich dafür entschieden, da diese eher provozierende Aussage definitiv zum Nachdenken anregt. Und sieht man sich die ganzen Fakten an, scheint da auch etwas dran zu sein.

Wir persönlich finden eine Reduktion des Fleischkonsums als ersten Schritt bereits super!

Schon eine Reduktion des wöchentlichen Fleischverzehrs der Deutschen auf 600 g pro Person hätte 2017 eine Halbierung der Treibhausgasemissionen von 12,3 Millionen auf 6,4 Millionen Tonnen in der Rinderzucht bewirkt. In der Schweinezucht hätte diese Reduktion die Treibhausgasemissionen von 2,9 Millionen Tonnen auf 1,5 Millionen Tonnen verringert. Die 600 g Fleisch pro Kopf und Woche sind eine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und entsprechen einer Senkung des Fleischkonsums von insgesamt 48 %.

Was weniger Fleischverbrauch bewirkt Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0
Grafik: Fleischatlas 2021 | Bartz/Stockmar CC-BY-4.0

Noch nicht überzeugt? Dann sind hier noch ein paar weitere Fakten:

Ein Fleischesser spart pro Jahr umgerechnet 1,4 Tonnen an CO2, wenn er auf Rindfleisch verzichten würde. Du sparst 1,6 Tonnen, wenn du dich vegetarisch ernährst und 2 Tonnen, wenn du dich vegan ernährst. Das ist mehr, als wenn du auf Solarenergie (1,4 Tonnen) oder auf ein Hybridauto (1,78 Tonnen) umsteigen würdest. Nur ein Elektroauto würde mehr CO2 sparen (2,5 Tonnen). Das ist allerdings gerade noch wesentlich teurer als auf eine vegane Ernährung umzusteigen.

Bei veganer Ernährung entsteht halb so viel CO2 wie bei einer omnivoren Ernährung. Sie benötigt nur 1/11 der fossilen Brennstoffe, 1/13 an Wasser und 1/18 an Bodenfläche.

So kannst du mit einer veganen Ernährung jeden Tag 4.160 Liter Wasser und 20 kg Getreide sparen. Du kannst täglich 28m² Wald retten und den Gegenwert von 9 kg CO2 einsparen. Außerdem rettest du täglich 1 Tierleben. (Cowspiracy, 2014)

Kein anderer Lebensstil hat einen weitreichenderen und positiveren Einfluss auf den Planeten und das Leben auf der Erde. Ohne eine Veränderung in unserem Konsum tierischer Produkte können wir unsere Umweltziele nicht erreichen. Ökosysteme können nicht im nötigen Umfang gerettet werden, es können nicht alle Menschen der Welt ernährt werden, und die globale Erwärmung kann nicht gestoppt werden.

Deshalb: Go vegan! For the animals, for the environment and for our future.

Hast du noch Fragen zum Thema? Dann schreib uns gerne auf instagram (fairlis.de) oder direkt hier in den Kommentaren! Wir freuen uns auf dein Feedback!

Viele Fakten aus diesem Artikel sind aus dem Fleischatlas 2021 und dem Film Cowspiracy. Beide können wir dir als weitere tiefergehende Infoquellen nur ans Herz legen!

Quellen

Kern, V. (2020, 23. November). Corona hilft dem Klima nicht. klimareporter°. https://www.klimareporter.de/erdsystem/corona-hilft-dem-klima-nicht

https://www.klimareporter.de/images/dokumente/2020/11/WMO_GHG-Bulletin.pdf

Was bedeutet es, wenn die Weltbevölkerung wächst? (2019, 18. Dezember). DSW. https://www.dsw.org/weltbevoelkerung/

Cowspiracy Film (2014, Netflix)

Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Le Monde Diplomatique. (2021). Fleischatlas 2021. Fleischatlas 2021, 1–52. https://www.boell.de/de/2021/01/06/fleischatlas-2021?dimension1=ds_fleischatlas_2021

Poore, J. (2018, 1. Juni). Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science. https://science.sciencemag.org/content/360/6392/987

Ayoub, N. (2020, 6. Oktober). Studie: So viel Treibhausgas sparen Veganer*innen ein. Utopia.de. https://utopia.de/vegan-treibhausgase-co2-137342

Warenvergleich.de. (2021, 20. Februar). Bis zu 27.000 Liter Wasser pro Kilo: Diese Lebensmittel verbrauchen am meisten Wasser in der Herstellung! https://www.warenvergleich.de/bis-zu-27-000-liter-wasser-pro-kilo-diese-lebensmittel-verbrauchen-am-meisten-wasser-in-der-herstellung/

Wikipedia-Autoren. (2004, 17. März). Hungersnot. Wikipedia. https://de.wikipedia.org/wiki/Hungersnot

DER SPIEGEL. (2019, 15. Juli). Zahl der Hungernden steigt zum dritten Mal in Folge. DER SPIEGEL, Hamburg, Germany. https://www.spiegel.de/politik/ausland/who-wfp-fao-zahl-der-hungernden-auf-821-millionen-gestiegen-a-1277430.html

3 Kommentare zu „Vegan – Für die Umwelt“

  1. Ein super Thema, mit dem ich mich zur Zeit auch sehr auseinandersetze.
    Gibt es Deiner Meinung nach überhaupt einen unterschied im Umweltverhalten zwischen Omnivoren und Veganer im Bereich Müllvermeidung/Trennung?

    1. Liebe Maria,

      es freut mich sehr zu hören, dass du dich mit dem Thema Umwelt und Veganismus beschäftigst und dich dein Weg zu uns auf die Seite geführt hat!♥

      Zu deiner interessanten Frage: Ich denke nicht, dass Veganer zwingend umweltbewusster sind, aber Veganismus kann durchaus für das Thema sensibilisieren.
      Es kommt dabei glaube ich sehr auf die Motivation hinter dem Veganismus an. Wenn jemand z.B. aus ethischen Gründen für die Tiere vegan wird, macht ihn das nicht direkt zu einem Menschen, der mehr auf die Müllvermeidung oder Mülltrennung achtet. Auch bei Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen vegan werden, steht das zu Beginn nicht zwingend im Zusammenhang.

      Ich denke aber schon, dass man sich als Veganer mit der Zeit mehr mit dieser Form der Ernährung auseinandersetzt, und in dem Zusammenhang dann auch die anderen Auswirkungen erkennt und damit vielleicht umweltbewusster wird, weil man generell mehr dafür sensibilisiert wird.

      Bei mir persönlich war es zumindest so: Ich wurde aus ethischen Gründen zuerst vegetarisch, dann vegan. Ich habe in der Zeit viele Dokus und Beiträge angeschaut, die sich mit Veganismus und den Vor- und Nachteilen beschäftigt haben, wodurch ich auch immer mehr Umweltbewusstsein entwickelt habe. Das heißt aber im Umkehrschluss natürlich nicht, dass Omnivoren sich nicht auch mit Umweltthemen beschäftigen, und darauf achten weniger Müll zu produzieren.

      Ich habe ein bisschen recherchiert und leider keine Statistiken oder ähnliches dazu gefunden, die uns helfen könnten das näher zu ergründen.

      Was denkst du denn dazu? Mich würde deine Sicht darauf sehr interessieren 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Caro

    2. Hallo liebe Maria,

      ich lese gerade den Fleischatlas 2021 und habe da einen spannenden Absatz entdeckt, der deine Frage eventuell beantworten könnte. Im Zuge der Erstellung des Fleischatlas wurde eine Umfrage unter 15 bis 29-Jährigen gemacht, die zu folgendem Ergebnis kam:

      „Wer wenig Fleisch konsumiert, ist umwelt- und insbesondere ernährungs- und tierschutzbewusster. Bei den Veganern und Veganerinnen sehen sich 75 Prozent als Teil der Klimaschutzbewegung, bei den Vegetariern und Vegetarierinnen fast 50 Prozent; bei den Omnivoren und Omnivorinnen sind es nur 15 Prozent. 42 Prozent der Menschen, die sich vegetarisch ernähren und sogar 63 Prozent derjenigen, die vegane Ernährung bevorzugen, engagieren sich gegen Lebensmittelverschwendung; bei denen, die nicht verzichten, nur 29 Prozent.“ (Quelle: Fleischatlas 2021, S. 34)

      Ich fand das sehr interessant und wollte es gerne noch mit dir teilen. 🙂

      Liebe Grüße
      Caro

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