Mittlerweile sollte es bereits jedem bewusst sein: Unsere Meere versinken im Plastikmüll.

Dabei sind es nicht nur die großen Plastikstücke wie Fischernetze, Plastikflaschen, Trinkhalme & Co. die Probleme verursachen. Auch winzig kleine Plastikteilchen finden ihren Weg in unsere Ozeane.  

Sogenanntes “Mikroplastik” ist mittlerweile in aller Munde – und das leider sprichwörtlich. Denn die winzigen Partikel werden von Meeresbewohnern mit Nahrung verwechselt, von ihnen aufgenommen, und landen so indirekt auch auf unserem Teller. Sogar in Honig und Bier wurde bereits Mikroplastik entdeckt.

Dabei ist Mikroplastik gar kein neues Problem. Bereits 1997 entdeckte der Segler und Umweltaktivist Charles Moore den großen pazifischen Müllstrudel und bemerkte zwischen den großen Müllstücken diese winzig kleinen Plastikpartikel. Mehr zu den Arten von Mikroplastik und dessen Gefahren für uns und die Umwelt, berichten wir dir in diesem Artikel.

Was ist Mikroplastik

Laut Umweltbundesamt werden Plastikstücke, die kleiner als 5 mm sind, als Mikroplastik bezeichnet. Diese Teilchen sind teilweise also nicht mal mit dem bloßen Auge zu erkennen. Eine Definition der Stiftung Warentest besagt, Mikroplastik sind Plastikteilchen mit einer Größe zwischen 0,1 – 5 mm.

Es werden zwei Arten von Mikroplastik unterschieden: Primäres und sekundäres Mikroplastik. Primäres Mikroplastik wird in seiner kleinsten Form industriell hergestellt und von Herstellern und Industrie gezielt in ihren Produkten verwendet. Sekundäres Mikroplastik entsteht durch physikalische, biologische und chemische Zersetzungsprozesse von großen Plastikteilen (z.B. der unachtsam weggeworfenen Plastiktüte).

Kunststoffe werden erst seit 1907 industriell hergestellt. Ihre Zersetzung dauert je nach Kunststoff mehrere Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte. Eine PET Flasche benötigt z.B. bis zu 500 Jahre um sich zu zersetzen. Sie verschwindet danach aber immer noch nicht restlos von unserem Planeten. Kunststoffe zersetzen sich nie vollständig, sondern zerfallen nur zu immer kleineren Plastikteilchen.

So gibt es mittlerweile schon sogenanntes „Nanoplastik“, also noch kleiner zerfallenes Mikroplastik im Nanometer (nm) Größenbereich.

Wo steckt Mikroplastik drin

Primäres Mikroplastik findest du leider häufig im Alltag:

  • In Form von Industriepellets (Grundmaterial für die Plastikproduktion)
  • Als kleine Granulate in Kosmetika und Pflegeprodukten z.B. Peelings, Zahnpasta, Handwaschpasten, etc.
  • In Arzneimitteln, damit sich diese im Körper langsamer auflösen
  • In synthetischer Bekleidung
  • Im Hausstaub
  • Durch den Abrieb von Reifen und Fahrbahnmarkierungen

Wie gelangt Mikroplastik ins Meer und in die Natur

Primäres Mikroplastik gelangt – wie eigentlich jedes Plastikteil – über unsere Gewässer ins Meer. Denn die winzigen Kunststoffkügelchen in Pflegeprodukten sind nicht wasserlöslich. Und was machst du mit Peelings? Du wäschst sie nach dem Peelen wieder ab. Die Zahnpasta? Wird ins Waschbecken gespuckt. Handwaschpasten? Naja logisch, die werden auch wieder abgewaschen.

Mikroplastik in Arzneimitteln dient dazu, dass diese sich im Körper langsamer auflösen. Das Mikroplastik aber bleibt erhalten und wird danach vom Körper ausgeschieden. Es landet also in der Toilette und demnach wieder im Abwasser.

Alles gelangt also irgendwie ins Abwasser und durchläuft irgendwann Kläranlagen. Was dort gefiltert werden kann, landet in der Klärmasse. In den Anlagen trocknen die oberen Schichten der Klärmasse und das Mikroplastik wird vom Wind in die Natur getragen.

Leider können Kläranlagen das Mikroplastik nicht vollständig aus dem Abwasser filtern. Somit gelangen die winzig kleinen Kunstfasern, z.B. das Nanoplastik, quasi auf direktem Weg ins Meer.

Pro Waschgang von synthetischer Kleidung enden so Millionen kleiner Kunstfasern über Fließgewässer in der Meeresumwelt. Laut einer aktuellen Studie schleudern alleine europäische Waschmaschinen jährlich rund 30.000 Tonnen Kunststofffasern (also Mikroplastik) ins Meer. Selbst wenn du deine Wäsche nach dem Waschen aufhängst, und z.B. ein Fleece-Pulli dabei ist, wird sehr wahrscheinlich durch einen Windstoß Mikroplastik durch die Luft in die Natur getragen.

Welchen Schaden richtet Mikroplastik im Meer an

Es gibt in unseren Flüssen, Seen und Meeren bereits jetzt unglaubliche Mengen an Mikroplastik. Die winzigen Plastikpartikel werden mit ihrer „Größe“ von kleiner 5mm von Meeresbewohnern mit Nahrung (Plankton) verwechselt und als vermeintliches Futter aufgenommen. Dieser Kreislauf geht vom Wattwurm, zur Muschel, zum Krebs zu Fischen, zu Walen, und auch zu marinen Vögeln.

Die aufgenommenen Plastikteilchen können nicht verdaut werden und stauen sich über die Zeit im Verdauungstrakt an. Das Tier kann Plastik logischerweise nicht verwerten und erhält somit keine Nährstoffe mehr, kann aber auch nicht mehr weiter essen. Es verhungert also – mit vollem Plastikbauch.

Zusätzlich zu diesem schlimmen Ende können die Meerestiere durch die Schadstoffe im Plastik krank werden oder vergiften.

Mikroplastik in Lebensmitteln

Fische, Muscheln und andere Meeresfrüchte landen auf unseren Tellern und wir nehmen somit ebenfalls diese kleinsten Plastikfasern mit der Nahrung auf. Dieser Fakt ist mittlerweile ziemlich bekannt.

Noch relativ neu ist die Info, dass Mikroplastik auch in Honig und Bier gefunden wurde. Wie konnte das passieren?

Wie weiter oben beschrieben, landet Mikroplastik über die Kläranlagen und über Abriebe im Straßenverkehr in der Luft. Der Wind trägt es von dort aus in die Natur. Blüten besitzen einen besonderen Stoff, damit die Pollen besser an den Bienenbeinchen haften bleiben. An diesem Stoff bleibt auch das Mikroplastik kleben, wird von Bienen aufgenommen und endet so im Honigtopf.

Gesundheitliche Auswirkungen von Mikroplastik in Lebensmitteln

Für die Auswirkung von Mikroplastik für Tiere schreibt das Umweltbundesamt: „Bei festen Kunststoffpartikeln sind physikalische Schäden des Magen-Darm-Traktes zu befürchten. Weiterhin kann es zur Blockierung der Nahrungsaufnahme, der Behinderung der Verdauung sowie zu einem ständigen Sättigungsgefühl kommen. Dies kann das Wachstum, die Mobilität und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.“

Besonders fatal ist die Tatsache, dass sich an den synthetischen Polymeren aus denen Mikroplastik besteht, Umweltgiftstoffe wie z.B. Pestizide oder Flammschutzmittel anlagern. Zusätzlich werden dem Kunststoff selbst bereits umwelt- und gesundheitsschädigende Stoffe wie z.B. Weichmacher hinzugesetzt (BPA). Viele dieser Stoffe gelten als krebserregend, giftig oder sie haben Auswirkungen auf das Hormonsystem.

Auch das noch kleinere Nanoplastik kann unmöglich irgendwo gefiltert werden. Es wird vermutet, dass diese Teilchen sogar in unseren Blutkreislauf gelangen können, und dort mit den angelagerten Schadstoffen ihr Unheil treiben.

Was es nun bedeutet, dass der Mensch dieses Mikro- und Nanoplastik ebenfalls aufnimmt, ist noch nicht ganz erforscht. Über die tatsächlichen gesundheitlichen Auswirkungen kann also noch keine Aussage getroffen werden.

Was kann im großen Stil gegen Mikroplastik getan werden

Gegen primäres Mikroplastik könnte in der Industrie folgendes getan werden:

  • Kosmetikhersteller müssen auf die Verwendung von Mikroplastik (und jeglichem anderen Plastik) verzichten
  • Gesetze gegen die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetika, wie beispielsweise bereits in Schweden
  • Klärwerke müssen ihre Filterungssysteme optimieren
  • Mikroplastikfilter für Waschmaschinen
  • Mikroplastikfilterung von Abwässern

Gegen sekundäres Mikroplastik:

  • Gesetzliches Verbot von Plastiktüten, Plastikverpackungen und jeglichem Einwegplastik
  • Schaffung einer Plastiksteuer
  • Verbote gegen die Entsorgung von Müll auf See (Fischernetze & Co.)
  • Fischernetze markieren, sodass nachvollzogen werden kann, wer sie im Meer entsorgt hat
  • Entwicklungsförderung für Projekte die Alternativen zu Plastik erforschen
  • Förderung der Entsorgungssysteme in Entwicklungsländern
  • Mehr Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung, speziell auch in Entwicklungsländern

Wie kannst du selbst Mikroplastik vermeiden

Wenn du nicht darauf warten möchtest, dass andere aktiv werden, kannst du selbst darauf achten Mikroplastik zu meiden. Folgende Dinge kannst du beachten:

Du kannst bei Kosmetika auf folgende Inhaltsstoffe achten, die laut Bund und Greenpeace einstimmig als Mikroplastik zählen, und diese Produkte dann meiden:

  • Acrylate Copolymer (AC)
  • Acrylate Crosspolymer (ACS)
  • Polyamide (PA, Nylon-6, Nylon-12)
  • Polyacrylate (PA)
  • Polymethylmethacrylate (PMMA)
  • Polyethylene (PE)
  • Polyethylenterephthalate (PET)
  • Polypropylene (PP)
  • Polystyrene (PS)
  • Polyurethane (PUR)

(Quelle: utopia / Was ist Mikroplastik? – Eine Definition )

Du kannst generell auf Produkte verzichten, die sehr sicher Mikroplastik enthalten. Das sind zum Beispiel Peelings und Whitening Zahncremes.

Du kannst zertifizierte Naturkosmetik kaufen – für diese ist Mikroplastik nicht zugelassen.

Du kannst Firmen anschreiben, die Mikroplastik verwenden, und sie höflich darum bitten, dies aus Umweltgründen zu unterlassen.

Du kannst entweder keine synthetischen Textilien kaufen, oder diese in einem speziellen Waschbeutel waschen, der die Kunstfasern angeblich auffängt.

Du kannst jeden Tag in deinem Alltag auf Plastikprodukte verzichten und deinen Plastikmüll somit drastisch reduzieren. Wie du einen einfachen Einstieg in den Zero Waste Alltag findest, kannst du hier in unseren Zero Waste Anfängertipps nachlesen.

Einkaufsratgeber

Vom Bund gibt es einen sehr ausführlichen Einkaufsratgeber, welcher alle Marken und Produkte auflistet, die Mikroplastik verwenden. Du kannst diese Produkte vermeiden, um Mikroplastik zu reduzieren.

Der Ratgeber kann hier kostenlos heruntergeladen werden:

Cover Ratgeber Mikroplastik von Bund.net

Eine Hilfe kann dir auch die App Codecheck bieten, die Produkte auf Unbedenklichkeit prüft und bewertet (unbezahlte Werbung).

Fallen dir noch weitere Maßnahmen ein, die gegen Mikroplastik getroffen werden können? Versuchst du bereits, Mikroplastik zu vermeiden? Wenn ja, was sind deine Maßnahmen? Schreib uns gerne einen Kommentar oder schicke uns eine Nachricht auf Instagram.

Wir freuen uns riesig über dein Feedback!

Alles Liebe

Caro

Quellen:

https://utopia.de/ratgeber/was-ist-mikroplastik-definition/
https://utopia.de/ratgeber/mikroplastik-kosmetik-produkte/
https://www.umweltbundesamt.de/themen/mikroplastik-in-kosmetika-was-ist-das/
https://www.naturwelt.org/das-meer/der-m%C3%BCll-und-das-meer/mikroplastik-im-meer/
http://mikroplastik.de/
https://www.codecheck.info/news/So-stoppst-Du-Mikroplastik-aus-der-Waschmaschine-307221

Schreibe ein Kommentar

Bitte gib dein Kommentar ein
Gib hier dein Name ein